05.05.12 Turner, Monet, Twombly

Tagesfahrt nach Stuttgart

Turner, Monet, Twombly

05.05.2012

 

Unsere Tagesfahrt nach Stuttgart führte uns zunächst in die Staatsgalerie zur Ausstellung "Later Paintings". Die Künstler William Turner, Claude Monet und Cy Twombly testeten die Grenzen der Malerei aus und forderten die traditionelle Darstellungsweise heraus. Die Gegenüberstellungen, die Kurator Jeremy  Lewison gewählt hatte, waren nicht immer schlüssig nachvollziehbar, aber boten Anlass für spannende Diskussionen. Der englische Maler William Turner (1775 –1851) begründete in seinen stürmischen Seestücken eine abstrakte Bildsprache, die von den Impressionisten aufgegriffen wurde. Claude Monet (1840 – 1926) setzte die Motive in Serien von Seerosen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen um. Mit Cy Twombly (1928 – 2011) bot sich der Blick auf Turner und Monet aus dem Horizont der Gegenwartskunst. Der Amerikaner, bedeutender Vertreter des Abstrakten Expressionismus, entwickelte die poetische Bildsprache in seinen mythologischen Gemälden weiter, besonders eindrucksvoll zeigte sich dies bei den "Vier Jahreszeiten".

Nach einer individuellen Mittagspause, die die meisten Teilnehmerinnen im Restaurant White Cube (Kunstmuseum) verbrachten, besuchten wir die an diesem Tag erstmals geöffnete Ausstellung "Rasterfahndung. Das Raster in der Kunst nach 1945" im Kunstmuseum.

Das Raster bestimmt wie keine andere Struktur die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Für die Avantgarde, für Piet Mondrian oder die Bauhaus-Bewegung, ist dies weitreichend erforscht; die Bedeutung des Rasters in der Kunst seit 1945 hingegen wurde noch nie im Überblick dargestellt. Die Ausstellung beschrieb die Bedeutung des Rasters in der Kunst am Beispiel von rund 50 Künstlern. Dabei ließen sich zwei große Stränge herausarbeiten: In der konkret-konstruktiven Kunst wird das Raster wegen der formalen Strenge und als Wiederholungsprinzip geschätzt. Parallel dazu begreifen Künstler wie Sigmar Polke oder Roy Lichtenstein das Raster als gesellschaftliches Muster, das der Medienwelt, der Architektur, dem Städtebau oder der Datenerfassung zugrunde liegt. Viele junge Künstler wie Esther Stocker, Sarah Morris, Michiel Ceulers und Tim Stapel unterscheiden heute nicht mehr zwischen diesen beiden Ansätzen, sondern sind von dem immensen gestalterischen Potenzial der Rasterstruktur fasziniert.