Kunst in Quarantäne 2.0

Auguste Rodin (1840-1917)

Maske der Hanako, 1908
Bronze
Moderne Galerie
 

Rodin war der japanischen Schauspielerin und Tänzerin Hanako erstmals während eines Besuchs in Marseille im Juli 1906 begegnet. Er hielt sich in Marseille auf, um die Darbietungen einer Tanzgruppe aus Kambodscha zu verfolgen, die dort unter Leitung des kambodschanischen Königs Sisowath und seiner ältesten Tochter, Prinzessin Soumhady, während einer Kolonialausstellung des französischen Staates auftrat. […]

Hanako wurde Rodins Modell. Er bewunderte ihre physische Präsenz und akrobatische Kraft, ihre Beherrschung und Kontrolle des Körpers, die vielfältigen Facetten ihrer Mimik. Rodin zeichnete sie und schuf eine Reihe von nicht weniger als dreiundfünfzig plastischen, in ihrem intensiven Ausdruck beständig wechselnden Bildnissen. […]

Die Bronze Hanakos gibt, im Gegensatz zu den übrigen Bildnissen mit dramatisch-erregtem Ausdrucksgehalt, die ruhig-entspannten Gesichtszüge der Schauspielerin wieder, die Rodin in ihrer Fremdartigkeit und Intensität beeindruckten.

Die Plastik wurde 1966 für die Sammlungen des Saarlandmuseums erworben.

(Ernst-Gerhard Güse, in: Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, 1999)

 

Begleitende Lyrik

Karl Kraus (1874-1936)

Karl Kraus, der 1874 im nordböhmischen Gitschin geboren wurde, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten österreichischen Satiriker und Dramatiker.

1899 gründete er die Zeitschrift „Die Fackel“, bei der u.a. auch Else Lasker-Schüler mitarbeitete. Seine publizistische Tätigkeit begriff er stets als „Kampf gegen die Verlogenheit der Presse“.

1918/1919 erschien sein Antikriegsdrama "Die letzten Tage der Menschheit" in der "Fackel", das zwischen 1915 und 1922 als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg entstand. Das dokumentarische Zeitbild vom Untergang der österreichischen Vorkriegsgesellschaft endet mit einer Warnung vor dem Untergang der Menschheit.

Im Februar 1936 erschient das letzte Heft der „Fackel“, am 12. Juni starb Karl Kraus in Wien.

Im Jahr 1917 waren seine „Worte in Versen VIII“ publiziert worden, die auch das Gedicht „Die Schauspielerin“ enthalten.

 

Die Schauspielerin

Das Stichwort fällt, gleich trittst du auf,

es drängen Partner sich zuhauf,

und stets gebeten, nie bedankt

spielst du, was man von dir verlangt,

und wie den vielen es gefiel,

stehst du und alles auf dem Spiel,

und oft gespielt und immer neu

und jeder will, daß er es sei,

und jeder durch die Maske spricht,

der nicht erkennt das Urgesicht

der monotonen Vielgestalt

und Wechselblicks Naturgewalt;

blickst insgeheim dich um und um,

spielt mit das ganze Publikum

und jeder fragt, wer heut sie wär',

man flüstert, Eros sei Souffleur;

süß schwindet diese Stimme hin,

die sich verlor von Anbeginn,

es lebt sich, bis der Vorhang fallt –

Applaus, versunken ist die Welt.