Kunst in Quarantäne 2.0

Max Slevogt (1868-1932)

Sada Yakko, 1901
Gemälde
Moderne Galerie
 

Im Frühjahr 1901 zog Max Slevogt von München nach Berlin und schloss sich der 1898 gegründeten Berliner Secession an. Hier entstanden einige seiner bedeutenden Portraits wie das als „Champagnerlied“ oder „Der weiße d’Andrade“ betitelte Portrait des portugiesischen Bariton Francisco d’Andrade. (1901/1902), das sich heute in der Stuttgarter Staatsgalerie befindet. Mit dieser Darstellung hatte Slevogt in Deutschland auch einen neuen Bildtypus, nämlich das Rollenportrait, eingeführt.  „Im völligen Aufgehen der Darsteller in ihren Rollen werden sie mit dem Schicksal derer identifizierbar, die sie verkörpern“, wie Armin Zweite hierzu formulierte. Als Vorbild für seine Rollenportraits könnte ihm Edouard Manets „Bildnis des Jean-Baptiste Faure als Hamlet“ gedient haben.

Das sich nach Eingliederung der Sammlung Kohl-Weigand 1982 im Saarlandmuseum befindliche Portrait der „Sada Yako“ entstand ebenfalls 1901 im Anschluss an eine Begegnung Slevogts mit der Künstlerin während eines Gastspiels in Berlin. Slevogt skizzierte Sada Yakko auch in den Aufführungen mit einzelnen Szenenausschnitten.

Im ausgeführten Gemälde ist Sada Yakko (1871-1946) in ein traditionelles japanisches Gewand gehüllt und trägt einen Kirschblütenzweig in der linken Hand. Der Hintergrund lässt keine Rückschlüsse auf die Umgebung zu, eine leere Bühne darf angenommen werden. Auch wenn der Hintergrund unbestimmt bleibt, hat Slevogt den Theaterstar nicht privat, sondern in ihrer Bühnenrolle wiedergegeben, in dem eingangs erwähnten „Rollenporträt“.

Bei restauratorischen Maßnahmen wurde vor ein paar Jahren entdeckt, dass die Leinwand ursprünglich größer war. Die nach hinten umgeschlagene Leinwand gibt in japanischen Schriftzeichen den Namen „Sada Yakko“ wieder.

(Dr. Elke Schwarz, Fördergesellschaft)

 

Begleitende Lyrik

Barthold Heinrich Brockes (1680-1747)

Barthold H. Brockes (geb. 1680 in Hamburg und 1747 ebenda gestorben) war ein Dichter der frühen deutschen Aufklärung.

Seine aus 9 Bänden bestehende Gedichtsammlung „Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten“ entstand zwischen 1721 und 1747 und ist sein Hauptwerk. Die Natur und ihre Schönheit versteht er stets als Bindeglied zwischen Mensch und Gott.

Diese Sammlung enthält neben seinen eigenen Gedichten auch von ihm übersetzte Fabeln und Prosastücke englischer und französischer Autoren.

Das Gedicht „Kirschblüte bei der Nacht“ entstand 1727.

 

Kirschblüte bei der Nacht

Ich sahe mit betrachtendem Gemüte

Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
In kühler Nacht beim Mondenschein;
Ich glaubt', es könne nichts von größrer Weiße sein.
Es schien, ob wär ein Schnee gefallen.
Ein jeder, auch der kleinste Ast
Trug gleichsam eine rechte Last
von zierlich-weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
Indem daselbst des Mondes sanftes Licht
Selbst durch die zarten Blätter bricht,
Sogar den Schatten weiß und sonder Schwärzer hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
Was Weißers aufgefunden werden.

Indem ich nun bald hin, bald her
Im Schatten dieses Baumes gehe,
Sah ich von ungefähr
Durch alle Blumen in die Höhe
Und ward noch einen weißern Schein,
Der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
Fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
Bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
Von einem hellen Stern ein weißes Licht,
Das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergetzte,
Dacht ich, hat Er dennoch weit größere Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.