Kunst in Quarantäne 2.0

Paul Gauguin (1848-1903)

Maske einer Tahitierin (Tehura), 1893
Bronze
Moderne Galerie

 

Paul Gauguin, 1848 in Paris geboren und 1903 auf einer zur Marquesas-Gruppe zählenden Insel in Französisch-Polynesien gestorben, gehört mit Paul Cezanne und Vincent van Gogh zu den einflussreichsten Wegbereitern der Moderne. In Anlehnung an seinen Lehrer Camille Pissaro hatte Gauguin zunächst im impressionistischen Stil gemalt,  bevor er in der Südsee seinen eigenen Malstil entwickelte. Bekannt und geschätzt sind heute insbesondere eben diese Gemälde mit Motiven aus der Südsee, die eine vermeintlich ursprüngliche und exotische Lebensweise wiedergeben.

 

Von 1872 bis 1882 arbeitete Gauguin zunächst erfolgreich als Börsenmakler, begann jedoch bereits Mitte der 1870er Jahre mit dem Malen. Nach einem Börsenkrach im Jahr 1882 und dem Verlust seiner Anstellung, beschloss er, sich fortan ausschließlich der Malerei zu widmen. Da zunächst finanzielle Erfolge ausblieben, führte dies auch zu Auseinandersetzungen mit seiner Frau – die Familie hatte mittlerweile fünf Kinder - die schließlich Mitte der 1880er Jahre zur Trennung führten.

 

Gauguin war auf der Suche nach einer einfachen und ursprünglichen Lebensweise, wollte selbst „wie ein Wilder leben“. Exotik und Ursprünglichkeit suchte er zunächst in Panama und Martinique, kehrte aber enttäuscht und an Malaria und Ruhr erkrankt nach Paris zurück.

 

Seine Freundschaft mit Vincent van Gogh ist in die Kunstgeschichtsschreibung eingegangen, vor allem das Ende dieser Künstlerfreundschaft. Gauguin war im Oktober 1888 auf Einladung von van Gogh nach Arles gereist, dem Vorschlag van Goghs folgend, hier in einer Gemeinschaft zusammen zu leben und zu arbeiten. Details über die gemeinsamen Monate in Arles sind nicht bekannt, wohl aber über das Ende der Künstlerfreundschaft: Van Gogh schnitt sich nach einem Streit mit Gauguin selbst ein Stück seines Ohrs ab, Gauguin flüchtete wieder zurück nach Paris.

 

Im April 1891 brach Gauguin zum ersten Mal nach Tahiti auf. Er glaubte ein exotisches Paradies vorzufinden, in dem er als Europäer ein ursprüngliches Leben führen könne. Die Realität – vor allem durch die seit 1880 herrschende französische Kolonialmacht – holte ihn in der Hauptstadt Papeete schnell ein. Also „flüchtete“ er weiter in ein Dorf namens Mataiea und lebte dort mit einer 13-jährigen Tahitianerin namens Tehura zusammen in einer Hütte. In vielen Gemälden dieser Zeit ist sie sein bevorzugtes Modell. Die heute so beliebten Gauguin-Motive, die die exotischen Frauen in intensiver Farbgebung darstellen, gaben jedoch nicht die Realität wieder, sondern seine Idealvorstellung davon.

 

Gauguin schrieb über seinen ersten Tahiti-Aufenthalt von 1891 bis 1893 an seinen Freund Georges-Daniel de Monfreid, dass er „während zweier Jahre, darin nur wenige Monate verloren waren, […] 66 mehr oder weniger gute Bilder ausgeheckt und einige ultrawilde Schnitzereien“ gemacht habe.

 

Zu den von Gauguin selbst  als „ultrawilde Schnitzereien“ betitelten Werken zählt wohl auch eine bronzene „Maske einer Tahitierin (Tehura)“ aus dem Jahr 1893, die seine erste tahitianische Lebensgefährtin Tehura darstellt. Die Maske wurde im Jahr 1965 für das Saarlandmuseum erworben.

 

Ursprünglich war das Original in Holz gefertigt und farbig gefasst, daran anschließend erfolgte der Bronzeguss. Neben der Saarbrücker Bronzemaske existieren fünf weitere Exemplare, u.a. im Pariser Louvre. Die Rückseite der Maske ist wie eine Nische gestaltet, in der sich das Abbild einer jungen, nur mit einem Tuch bekleideten Tahitianerin befindet.

 

"Zu den Gemälden von Paul Gauguin, die mit ihren leuchtenden Farben und schattenlosen Figuren ungemein ausdrucksstarke Illusionen schaffen, stellt diese Plastik eine ganz besondere Ergänzung dar: Sie hält sich zwar an die grundlegenden Motive seiner Malerei, lässt die sonst so einfachen, natürlichen und ursprünglichen Figuren aus dem Paradies der Südsee in diesem Portrait der Tehura jedoch zu einer Skulptur von nahezu magischer Ausdruckskraft werden, die Götzenbildern gleicht", wie Hermann Parzinger in der Publikation "Ich sehe was, was Du nicht siehst" feststellte.

 

Paul Gauguin starb 1903 auf Hiva Oa/Marquesas, Französisch-Polynesien.

(Dr. Elke Schwarz, Fördergesellschaft)

 

 

 

Begleitende Lyrik

Charles Baudelaire (1821-1867)

 

Wie kaum ein anderes Werk des 19. Jahrhunderts hat Charles Baudelaires 1857 erschienene Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ (Die Blumen des Bösen) die europäische Lyrik der Moderne beeinflusst. Die darin enthaltenen Gedichte waren bereits seit ca. 1840 entstanden und zum Teil auch vereinzelt publiziert worden. In „Les Fleurs du Mal“ sind 100 seiner Gedichte zusammengefasst und nach Themen geordnet. Der Erfolg war zunächst gering, dennoch musste sich Baudelaire bereits im Juli 1857 in einem Strafprozess wegen „Beleidigung der öffentlichen Moral“ für einige „obszöne und unmoralische“ Gedichte verantworten.

 

Das Gedicht „Parfum Exotique“ (Fremdländischer Duft) trägt die Nr. XXII in der Sammlung „Les Fleur du Mal“.

 

 

Fremdländischer Duft

 

Wenn ich geschlossenen Auges, an einem warmen Herbstabend

den Duft einatme deines wärmehauchenden Busens, so seh ich

glückliche Gestade sich entrollen, die von den Feuern einer ewig

gleichen Sonne gleißen:

 

Träg eine Insel, wo die Natur seltsame Bäume und saftreiche

Früchte hervorbringt; Männer, deren Körper schlank ist und

kräftig, und Frauen, deren Augen durch seinen Freimut erstaunt.

 

Von deinem Duft geleitet, zauberischen Himmelsstrichen zu,

schaue ich einen Hafen voller Segel und Masten, noch ganz er-

müdeten vom Wogen des Meeres,

 

Indes der Ruch der grünen Tamarisken, der in der Luft um-

schwebt und mir die Nüster bläht, in meiner Seele dem Sang der

Schiffer sich vermischt.

(in der Übersetzung von Friedhelm Kemp)