Kunst in Quarantäne 2.0

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938)

Selbstportrait in Kammer, 1907
Lithographie auf bräunlichem Büttenkarton
Moderne Galerie (Ausstellung "Welt - Bühne - Traum")

 

Die Lithografie "Selbstportrait in Kammer" von Ernst Ludwig Kirchner wurde 1961 aus dem Kunsthandel für die Sammlungen des Saarlandmuseums erworben. Sie gehört zu  den insgesamt 45 druckgrafischen Blättern Kirchners, die die grafische Sammlung verwahrt und ist aktuell in der Ausstellung "Welt - Bühne - Traum" zu sehen.

 

Zu den 45 druckgrafischen Blättern ergänzen 185 Zeichnungen und Aquarelle den großartigen Bestand an Kirchner-Grafik im Saarlandmuseum.

 

Die "Kammer", die Kirchner hinter seinem Selbstportrait wiedergibt, zeigt einen kleinen Raum, in dem ein Bett dominant im Mittelgrund ersichtlich ist. Eine gemusterte Tapete und eine figürliche Wandmalerei erzeugen eine unruhige Hintergrundsituation, aus der das Selbstportrait erst auf den zweiten Blick hervortritt.

 

Kirchner selbst sah in der Grafik bzw. Druckgrafik eine besondere Form des künstlerischen Ausdrucks wie er unter seinem Synonym "Louis de Marsalle" kundtat: "Man lernt einen Künstler ja immer am besten durch seine Graphik und Zeichnung kennen, denn die Graphik allein gibt die Möglichkeit, die Formungsabsciht bis ins Letzte zu realisieren ohne Gefahr des Ermattens."

(Dr. Elke Schwarz, Fördergesellschaft)

 

 

Begleitende Lyrik

Arno Holz (1863-1929)

 

Arno Holz, 1863 in Rastenburg/Ostpreußen (heute Polen) geboren und später in Berlin lebend und arbeitend, veröffentlichte bereits im Jahr 1883 seinen ersten Gedichtband mit dem Titel "KlinginsHerz".

Zusammen mit Johannes Schlaf entstanden experimentelle Prosaskizzen zu denen "Papa Hamlet" oder "Neue Gleise" gehören, die sie unter dem gemeinsamen Pseudonym "Bjarne P. Holmsen" veröffentlichten. Ihre dem Naturalismus verpflichtete Prosa ist gekennzeichnet durch eine genaue Beobachtung der Realität und damit einhergehend einer Ablehnung religiöser oder philosophischer Erklärungsmuster.

Das Gedicht "Selbstportrait" entstammt der Sammlung "Buch der Zeit, Lieder eines Modernen" von 1886, die bereits die erste Fassung des von Holz in späteren Jahren immer wieder überarbeiteten Gedichtzyklus "Phantasus" enthält.

 

 

Selbstporträt

 

Nur Wenigen bin ich sympathisch,

Denn ach, mein Blut rollt demokratisch

Und meine Flagge wallt und weht:

Ich bin nur ein Tendenzpoet!

 

Auf Reime bin ich wie versessen -

Drum lob ich plötzlich die Tscherkessen -

Und wüst durch mein Gehirn scherwenzen

Verrückt gewordene Sentenzen.

 

Mein Blut rollt schwarz, mein Herz schlägt matt,

Mein Hirn hat noch nicht ausgegoren,

Denn meine gute Mutter hat

Mich hundert Jahr zu früh geboren!