Kunst in Quarantäne2.0

Münzschatz von Bliesmengen-Bolchen

3./4. Jh. n. Chr., Bronze

Fundort: Bliesmengen-Bolchen, Gem. Mandelbachtal, Saarpfalz-Kreis

Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken

 

Münzen spielen in der Archäologie eine große Rolle. Geld war Indikator für Wirtschaftsblüte, Handelsströme, kulturelle Praktiken, Siedlungs- und Wanderungsverhalten und soziale Verhältnisse der jeweiligen Gesellschaft. Zudem helfen Münzen, aufgrund ihrer genauen Datierbarkeit weitere Funde im gleichen Fundzusammenhang zeitlich einzuordnen.

 

Zu den herausragenden Beständen der Münzsammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte zählt der spätrömische Münzhort aus Bliesmengen-Bolchen (Gemeinde Mandelbachtal, Saarpfalz-Kreis) – ein Schatz, der schon aufgrund seines großen Umfangs von mehreren hundert antiken Bronzemünzen sehr beeindruckt. Es handelt sich um einen erfreulichen Zufallsfund im Jahr 1955.

 

Bei Ausheben einer Mistgrube auf seinem Grundstück stieß der Hüttenarbeiter Herrmann Kleylein am 31. August in etwa 40 cm Tiefe auf einen Gegenstand, der sich als ein Keramikgefäß voller, zum Teil miteinander verbackener Bronzemünzen entpuppte. Er nahm die Münzen in seine Obhut und übergab diese an das Staatliche Konservatoramt. Die zugehörige Fundakte nennt eine Entschädigungsempfehlung für den Finder in Höhe von 800-1.000 DM bzw. 75.000 Saar-Franken als der in dieser Zeit im noch autonomen Saarland gültigen Währung, was heute etwa einem Gegenwert von 2.500 EUR entspräche.

 

Der Münzfund besteht aus 897 römischen Bronzemünzen des 3. und 4. Jahrhunderts n. Chr. (späte römische Kaiserzeit), davon 8 Exemplare der Münzsorte Antoninian, eine gängige Münze vor der Währungsreform Kaiser Diokletians 294 n. Chr., sowie der wesentlich größere Rest aus der Münzsorte Follis. Diese neue, deutlich größere und schwerere Bronze-Münze wurde 294 n. Chr. neu eingeführt und löste die bis dato verbreiteten Antoniniane ab.

 

Interessant ist die Zusammensetzung der Prägestätten, aus denen die Münzen stammen: Drei Fünftel der Münzen kommen aus der Prägestätte Trier als der nächstgelegenen zur Fundregion, weshalb der hohe Anteil nicht verwunderlich ist. Der Rest stammt aus sonstigen zum Teil sehr weit entfernten Regionen des römischen Reiches wie Nordafrika, Griechenland, der Südtürkei und Ägypten.

 

Der Münzumlauf über solch weite Distanzen ergab sich durch das weitverzweigte Fernhandelsnetz der Römer über den gesamten Mittelmeerraum und die Nordwestprovinzen des Imperiums wie Gallien und Germanien, sowie durch Heeresverlagerungen auf dem gesamten Reichsgebiet, weshalb auch Soldaten aus Afrika, dem Ostmittelmeerraum und Italien nach Gallien kommen konnten. Trier war eine überregionale Metropole der römischen Welt, das Saargebiet lag im Verkehrseinzugsgebiet der Reisenden dorthin. Ein zudem hoher Anteil an Londoner Prägungen deutet auch auf einen regen Austausch zwischen dem Festland und der Insel hin. Die Münzbilder des Bliesmengen-Bolchener Schatzes zeigen ausschließlich männliche Kaiser, nicht ihre Gemahlinnen. Besonders das Portrait Konstantin I. (des Großen) sticht mit 442 Münzen unter den 15 auf den Prägungen vorkommenden Kaisern aus der Masse hervor. 

 

Der Münzfund enthält Prägungen mit Emissionsdaten von 260 bis 317 n. Chr., d.h. vor dem Jahr 317 kann der Schatz definitiv nicht in die Erde gelangt sein. Im Jahr 318 erfolgte eine weitere Stufe der Währungsreform mit neuen Prägungen, von denen keine enthalten sind. Daher ist anzunehmen, dass eine Deponierung der Münzen 317/318 oder unwesentlich später, noch bevor die neuen 318er Münzen größere Verbreitung hatten, stattgefunden hat.

 

Laut Fundbericht waren bei Auffindung vereinzelt Textilfaserreste anhaftend, woraus sich folgern lässt, dass die Münzen bei Deponierung des Schatzes zu Rollen eingewickelt waren und so in das Keramikgefäß als „Schatzkiste“ eingebracht wurden. Warum der Besitzer den Schatz in der Erde niedergelegt hat, bleibt offen – es könnte ein Verstecken aufgrund einer akuten kriegerischen Bedrohung gewesen sein, aber genauso ein Verbergen von Diebesgut, ein sicheres Verwahren von Vermögen oder ein Notgroschen für schlechte Zeiten, was auch in Friedenszeiten vorkommt. Konkrete Hinweise für den Vergrabungsanlass fehlen.

 

(Thomas Martin, Sammlungsleiter, Museum für Vor- und Frühgeschichte)

 

Begleitende Lyrik

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 

Johann Wolfgang von Goethes Ballade "Der Schatzgräber" entstand im Mai 1797 und wurde erstmals 1798 in Schillers Musen-Almanach abgedruckt. (In den seit etwa 1770 in Deutschland aufgelegten Musen-Almanachen wurden Erstveröffentlichungen von Gedichten sowie Rezensionen zu Schriften publiziert).

 

Die Ballade "Der Schatzgräber" wurde u.a. von Franz Schubert (D.256) und Hanns Eisler vertont.

 

Der Schatzgräber

 

Arm am Beutel, krank am Herzen,
Schleppt ich meine langen Tage.
Armuth ist die größte Plage,
Reichthum ist das höchste Gut!
Und zu enden meine Schmerzen,
Ging ich einen Schatz zu graben.
Meine Seele sollst du haben!
Schrieb ich hin mit eignem Blut.

Und so zog ich Kreis um Kreise,
Stellte wunderbare Flammen,
Kraut und Knochenwerk zusammen:
Die Beschwörung war vollbracht.
Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze;
Schwarz und stürmisch war die Nacht.

Und ich sah ein Licht von weiten,
Und es kam gleich einem Sterne,
Hinten aus der fernsten Ferne.
Eben als es zwölfe schlug.
Und da galt kein Vorbereiten:
Heller ward's mit einemmale
Von dem Glanz der vollen Schale,
Die ein schöner Knabe trug.

Holde Augen sah ich blinken
Unter dichtem Blumenkranze;
In des Trankes Himmelsglanze
Trat er in den Kreis herein.
Und er hieß mich freundlich trinken,
Und ich dacht' es kann der Knabe
Mit der schönen, lichten Gabe
Wahrlich nicht der Böse seyn.

Trinke Muth des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung,
Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens!
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! frohe Feste!
Sey dein künftig Zauberwort.