Roelant Savery (1576-1639)

Eberjagd, 1612
Gemälde
Alte Sammlung

 

Die auf eine Holztafel gemalte „Eberjagd“ des aus Flandern stammenden Roelant Savery (1576-1639) wird nach Forschungen jüngeren Datums als eine von mindestens zehn eigenhändigen, motivisch leicht variierenden, ab 1609 entstandenen Fassungen unterschiedlichen Formats angesehen, die sich in Den Haag, Dessau, Dresden (Kriegsverlust?), Hamburg, Hartford, München, Prag, St. Petersburg und andernorts befinden.

Das Saarbrücker Bild, „das sich in imponierender Qualität und Frische präsentiert“ [Müllenmeister 1988], gilt als „die späteste Fassung des Themas“. Das Bild trägt Signatur und Datum, dieses wurde bisher als „1618“ gelesen. Die Überprüfung am Original jedenfalls ergibt „1612“ als die wahrscheinlichere Lesart, was sich übrigens auch mit der stilistischen Entwicklung im Werk Saverys schlüssiger verbindet. Das Thema selbst ist höfischer Natur und dürfte dem Maler als „repräsentativer Fürstensport… in den böhmischen Jagdgefilden rund um Prag vertraut geworden sein“.

In Amsterdam ausgebildet und dort vermutlich angeregt durch Gillis III. van Coninxloo, den 1595 nach Amsterdam übersiedelten Hauptmeister der Frankenthaler Schule, war Savery um 1604 an den kaiserlichen Hof nach Prag berufen worden. Im Prager Hofdienst ist er bis zum Tode Kaiser Rudolph II. im Jahr 1612 geblieben. Zur Prager Burg gehörten damals kaiserliche Tiergehege mit Hirschen, Adlern, aber auch Löwen und anderen exotischen Tieren, die Savery, ein virtuoser Tierzeichner, gründlich studiert haben dürfte. In den habsburgischen Archiven wird er als „Landschaftsmaler“ (Eintrag vom 29. März 1615) geführt; 1606 bis 1608 bereist er auf kaiserliches Geheiß in Begleitung von Soldaten die Wälder Tirols, deren wilde Naturromantik er „aufs fleißigste mit der Feder, die großen Bäume mit Kohle, die weit-aussehenden Werke aber mit Wasserfarben in zweyen Jahren in ein großes Buch [zeichnet], daß ihm hernach in seinen Landschaften sehr wol zu Nutzen kame“, wie Sandrart 1675 berichtet.

In der „Eberjagd“ erscheinen nicht nur Naturstudien, sondern auch umfassende Naturerfahrungen verarbeitet und auf gültige Weise bildlich formuliert, die auf mehr und anderes zielen als auf die Wiedergabe fürstlicher Jagdbelustigung.

Der Eber ist gestellt, und dieser dramatischste Augenblick des Geschehens, in dem der mit Federhut und zinnoberrotem Wams bekleidete Jäger, gefolgt von einem gleichfalls bewaffneten Gehilfen, dem Keiler mit der Saufeder den Fang gibt, wird von Savery mit dem Eigenleben des umgebenden Waldes sinnfällig in Verbindung gebracht.

Ausschlaggebend für die Verknüpfung des Jagdgeschehens mit der umgebenden Natur ist eine gegenstandsübergreifende, ornamentale Korrespondenz der Formen und Vorgänge: so wird die Bewegung des ins Ohr des Ebers verbissenen Hundes (eines Molossers?) über mehrere Raumzonen präzis aufgenommen und verstärkt durch die Figuration der gewundenen Baumstämme zur Rechten und sie findet noch ein fernes Echo in der diagonal aufsteigenden Fluglinie einer aufgestörten Schar von Wildenten, die den hellen Ausblick aus dem interieurartig zusammengehaltenen Dickicht belebt und mit der Dynamik des Geschehens zugleich die Raumweite artikuliert.

Diese Zuspitzung des Kontrasts zwischen einem auf kleinem Format nahsichtig durchgezeichneten Knotenpunkt der Bilderzählung und der weltenweiten Imagination eines räumlichen Kontinuums ist noch ein Kennzeichen der flämisch-manieristischen Erziehung des Künstlers. […]

Die Figuren des Jägers und seines Begleiters sind nicht vom selben Niveau der Zeichnung und malerischen Durchführung wie die übrigen Teile des Bildes; vielleicht müssen bei gründlicher Untersuchung zur Ausführung des Bildes verschiedene Hände angenommen werden.

(Dr. Wolfram Morath, in: Die Alte Sammlung, Saarland Museum, 1995)

 

 

Begleitende Lyrik

Theodor Fontane (1819-1898)

Theodor Fontane, 1819 in Neuruppin geboren und zunächst als Apotheker ausgebildet, veröffentlichte seine erste Novelle „Geschwisterliebe“ im Jahr 1839. Erst zehn Jahre später, 1849, beschloss er sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen. Zunächst arbeitete Fontane für verschiedene Zeitungen, Anfang der 1850er Jahre begann er für die „Centralstelle für Preßangelegenheiten“ zu arbeiten und lebte von 1855 bis 1859 als deren Korrespondent  in London.

Nach Deutschland zurückgekehrt, verfasste er Reiseberichte, die er 1862 zu einer Sammlung mit dem Titel „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ vereinte (1862-1889 in fünf Bänden erschienen).

Zu seinen bekanntesten Werken zählen ferner die 1889 erschienene Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und die Romane „Effi Briest“ (1896) und „Der Stechlin“ (1898).

Der Roman „Effi Briest“, der zuerst von Oktober 1894 bis März 1895 in der Literaturzeitschrift „Deutsche Rundschau“ in sechs Fortsetzungen abgedruckt wurde, bevor er 1896 als Buch erschien, gilt als herausragendes Werk des poetischen Realismus und zugleich als Vorreiter des deutschen Gesellschaftsromans, das etwa Thomas Manns „Buddenbrooks“ literarisch vorbereitet hat.

Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

 

Das Gedicht „Ein Jäger“ entstand im Jahr 1851.

 

Ein Jäger

 

Ich kenn einen Jäger, man heißt ihn „Tod“:

Seine Wang ist blaß, sein Speer ist roth,

Sein Forst ist die Welt, er zieht auf die Pirsch,

Und jaget Elenn und Edelhirsch.

 

Im Völkerkrieg, auf blutigem Feld,

Ist’s, wo er sein Kesseltreiben hält;

Haß, Ehrsucht und Geizen nach Ruhmesschall

Sind Treiber im Dienste des Jägers all’.

 

Nicht fürcht ich ihn selber, wie nah er auch droht,

Doch wohl seine Rüden: Gram, Krankheit und Noth

Die Meute, die stückweis das Leben zerfetzt,

Und zögernd uns in die Grube hetzt.