August Macke (1887-1914)

Viktoriabrücke im Regen, 1912
Gemälde (Öl auf Pappe)
Moderne Galerie

 

August Macke, am 3. Januar 1887 in Meschede/Hochsauerland geboren und am 26. September 1914 im Alter von 27 Jahren an der Westfront in der Champagne gefallen, war nach Kursen an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf und der dortigen Kunstgewerbeschule durch Reisen nach Paris ab 1907 mit der Malerei der französischen Impressionisten vertraut.

Das 1953 für das Saarlandmuseum erworbene Gemälde „Viktoriabrücke im Regen“ aus dem Jahr 1912, in Öl auf Pappe ausgeführt, mag durch die französischen Vorbilder, die Macke in Paris sah, inspiriert sein. Gleichwohl zeigt es keinen großen Boulevard (wie in Paris), sondern den Blick aus Mackes Wohnzimmerfenster in der Bornheimer Straße 90 in Bonn. (Zum Gemälde „Viktoriabrücke im Regen“ existiert auch eine in Bleistift ausgeführte und heute in Privatbesitz befindliche Vorzeichnung.)

Hier lebte Macke von Februar 1911 bis August 1914. Heute befindet sich hier das August-Macke-Haus. Im Herbst 1910 war Macke mit seiner Frau Elisabeth und dem erstgeborenen Sohn Walther aus Tegernsee nach Bonn zurückgekehrt und sie erhielten auf dem damaligen Firmengelände des Schwiegervaters ein elegantes Haus, in dem sich Macke auch ein Atelier einrichtete.

Der Blick aus Mackes Wohnzimmerfenster ist unspektakulär: im Vordergrund sind Straße und Gehweg mit einigen mit Regenschirm ausgestatteten Passanten sowie ein Pferdefuhrwerk und die titelgebende Brücke zu sehen. Dahinter erstrecken sich Häuserformationen sowie einzelne Segmente mit Grünflächen und einige Büsche und Bäume.

Wenngleich das Motiv von französischen Vorbildern inspiriert sein mag, so ist der Farbauftrag nicht durch impressionistische Malerei und dem dort bevorzugt zur Ausführung gekommenen kleinteiligen Pinselduktus beeinflusst. Vielmehr zeigt sich eine auf Farbflächen basierende malerische Umsetzung, die zwar noch hinter der intensiven Farbigkeit der kommenden Jahre zurücksteht, aber bereits die Formvereinfachung und die von Macke bevorzugte Umrandung der Bildobjekte anzeigt.

Macke schrieb an seinen Freund und Künstlerkollegen Franz Marc im Dezember 1910: „Dieses Bonn ist eine rechte Rentnerstadt. Alles sehr still, seriös, unauffällig. Die Gegend, in der wir wohnen, hat viel Anreizendes. Hundemeuten, Reiter und Reiterinnen, Kinder, die sich zerschlagen. Dann sehen einen ringsum die Häuser mit lebendigen Augen an. Mir ist dieser Teil der Stadt ganz außerordentlich lieb.“

(Dr. Elke Schwarz, Fördergesellschaft)

 

Begleitende Lyrik

Richard Dehmel (1863-1920)

Der 1863 in Brandenburg geborene Richard Dehmel, der seit 1895 als freier Schriftsteller tätig war, veröffentlichte seinen ersten Gedichtband „Erlösungen. Eine Seelenwanderung in Gedichten und Sprüchen“ im Jahr 1891. Zu diesem Zeitpunkt war er hauptberuflich beim Verband der Privaten Deutschen Versicherungsgesellschaften angestellt und das Schreiben eine Freizeitbeschäftigung.

Ab Mitte der 1890er Jahre avancierte er zu einem vielbeachteten Lyriker (nicht zuletzt durch seinen Lyrikband „Weib und Welt“ und das darin enthaltene Gedicht „Venus Consolatrix“), der vor allem von zeitgenössischen Komponisten geschätzt wird, die seine Gedichte vertonen.

(Weitere biografische Notizen zu Richard Dehmel: siehe Kunstquarantäne Nr. 31/Paul Signac).

 

Richard Dehmels Gedicht „Im Regen“ entstammt seinem ersten 1891 publizierten Gedichtband „Erlösungen. Eine Seelenwanderung in Gedichten und Sprüchen“, und gehört hier zum Abschnitt „Erste Stufe: Ringen und Trachten“. Der Gedichtband trägt die Widmung: „Der Seele Paulas“.

Dehmel war von 1889 bis 1899 mit der Märchendichterin Paula Oppenheimer (1862-1918) verheiratet; gemeinsam gaben sie auch Kinderbücher heraus, u.a. das populäre, im Jahr 1900 erschienene Buch „Fitzebutze. Allerhand Schnickschnack für Kinder von Paula und Richard Dehmel“.

 

Im Regen

Es stimmt zu mir, es ist ein sinnreich Wetter;

mein Nacken trieft, denn Baum und Borke triefen.

Die Tropfen klatschen durch die schlaffen Blätter;

die nassen Vögel tun, als ob sie schliefen.

 

Der Himmel brütet im verwaschnen Laube,

als würde nie mehr Licht nach diesem Regen;

nun kann er endlich, ungestört vom Staube,

das Los der Erde gründlich überlegen.

 

Die Welt fühlt grämlich ihres Alters Schwere:

kein Fünkchen Freude, keine Spur von Trauer.

Und immer steter schwemmt sie mich ins Leere:

kein Staub, kein Licht mehr - grau - und immer grauer.