Neue, unpartheyische Lancaster Zeitung, und Anzeigs-Nachrichten

16. Oktober 1793
Deutsches Zeitungsmuseum

 

In Pennsylvania ließen sich im 18. Jahrhundert die meisten deutschen Siedler in den USA nieder, auch in Lancaster nahe Philadelphia gab es eine große deutschstämmige Gemeinde. Darunter waren auch einige Drucker, unter ihnen Johann Albrecht, der neben anderen (vorwiegend religiösen) Publikationen auch die Lancaster-Zeitung in deutscher Sprache herausgab.

Die hier gezeigte Ausgabe ist besonders interessant, weil sie auf der Titelseite die Erklärung der Rechte des französischen Volkes enthält. Dabei handelt es sich um einen Grundlagentext, der der französischen Verfassung vom 24. Juni 1793 vorangestellt war. Der Text nahm Bezug auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 anlässlich der Französischen Revolution, nun aber mit 35 anstatt 17 Artikeln. (Die Erklärung von 1789 diente als Grundlage der Verfassung von 1791, die Frankreich in eine konstitutionelle Monarchie verwandelte. Die Verfassung von 1793 wiederum sollte in Frankreich eine Republik entstehen lassen, sie trat aber nie offiziell in Kraft.)

(Deutsches Zeitungsmuseum)

 

Begleitende Lyrik

Johann Gottfried Kinkel (1815-1882)

Der 1815 in Oberkassel geborene Johann Gottfried Kinkel war evangelischer Theologe, Schriftsteller und ab 1846 Professor für Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Bonn. Ab 1848 arbeitete er außerdem als Redakteur bei der „Bonner Zeitung“ (später „Neue Bonner Zeitung“) und war in den folgenden Jahren in Bonn auch politisch aktiv. Während der Märzrevolution wurde er wegen seiner Beteiligung am badisch-pfälzischen Aufstand festgenommen und 1849 zu lebenslanger Festungshaft verurteilt, die kurze Zeit später in eine Zuchthausstrafe umgewandelt wurde. Im November 1850 gelang ihm die Flucht aus dem Zuchthaus in Berlin-Spandau und er floh nach London. Von hier aus unternahm er von Herbst 1851 bis Februar 1852 eine Reise durch die USA, um „Gelder für eine neue Revolution in Deutschland zu sammeln“. Nach London zurückgekehrt übernahm er Lehraufträge in Kunstgeschichte, ab 1866 bekleidete er eine Professur für Kunstgeschichte am Polytechnikum Zürich. Hier starb er 1882.

Das Gedicht „Amerika und Europa“ entstand 1851 und entstammt der Sammlung „Revolution und Exil“.

 

Amerika und Europa

 

Geschwollen aus dem Schnee der Bäche,

Den Urwaldsnacht zusammenballt,

Dehnt sich des Mississippi Fläche

Durch helle Flur und dunkeln Wald.

Auch ich stand träumend einst, zu lauschen

In seiner weiten grünen Au,

Und nichts vernahm ich als sein Rauschen,

Nichts schaut' ich als des Himmels Blau.

 

So wie der Strom, so rollt das Leben

Im jungen Land des Friedens hin;

Gewidmet ist das volle Streben

Nur dem Genüsse, dem Gewinn;

Vom Zukunftstraume sanft beflügelt

Rinnt hin die leichte Gegenwart,

Und von der Sitte streng gezügelt

Geht gleich und still des Lebens Fahrt.

 

Wir aber stammen aus anderem Lande,

Gesegnet, du mein wildfluthender Rhein!

Aus dem umschlingenden Felsenbande

Brachst du in lachende Fluren herein.

Flaches Gestade und graues Geschiebe

Sprengte des Feuers zerschmelzende Macht,

Und aus der Erde mit grimmigem Triebe

Hub der Basalt sich in glühender Pracht.

 

Altes Europa, wie bist du uns theuer,

Land des Kampfes, der Revolution!

Fern von dir, nur wilder und treuer

Liebt dich dein starker, verbannter Sohn!

Nimmer zu rasten im westlichen Frieden,

Nimmer zu siedeln im träumenden Forst

Sei mir, dem Schicksalvollen, beschieden,

Bis erst deine Fessel zerborst!

 

Ha, wie sie unsern Busen durchlodern,

Haß und Liebe, Begeistrung und Zorn!

Wie sie hinaus in die Schlachten uns fodern,

Ruft erst zum Kampfe das kriegrische Horn!

Ruhe, sie winkt uns nimmer auf Erden,

Denn wir schlagen Gefecht um Gefecht,

Und nur spät magst friedlich du werden,

Unser beglückteres Enkelgeschlecht!