Carl Blechen (1798-1840)

Winterlicher Wald mit Heiligenfigur auf einer Brücke, 1833-34
Aquarell über Bleistift auf Papier
Alte Sammlung

 

Carl Blechen, der zuerst eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert hatte, begann seine künstlerische Ausbildung 1822 an der Berliner Akademie der Künste, ein Jahr später unternahm er eine Studienreise nach Dresden. Im Anschluss einer Fahrt nach Rügen im Jahre 1828 trat er eine Italienreise an, in deren Verlauf mehrere hundert Skizzen entstanden sind, die später im Berliner Atelier ausgearbeitet wurden. Nach dieser Reise wird die Wirkung des hellen Sonnenlichtes das bestimmende Motiv seiner Landschaften, die von nun an von großartigen und überwältigenden Licht- und Farbeffekten geformt sind. Auf Empfehlung von Karl Friedrich Schinkel wurde Blechen 1831 zum Professor für Landschaftsmalerei an die Berliner Akademie berufen.

Das unvollendete Saarbrücker Aquarell zeigt einen Waldausschnitt, der von einer neblig-trüben, winterlichen Atmosphäre gekennzeichnet ist. Der Blick des Betrachters wird wie durch einen Sog in den von Nebelschwaden gefüllten Hohlweg geführt, der sich in ein blau-graues Nichts verliert, wodurch Blechen die klirrende Kälte dieses Stück Waldes nachdrücklich zum Ausdruck bringt. Das durch das gespenstisch wirkende und tief in den Raum des Pfades eindringende und bedrohlich wirkende Wurzelwerk lässt den Weg nachgerade wie abgeriegelt erscheinen.

Die Darstellungen von in einen Hohlweg gefährlich hineinragenden Wurzeln finden sich häufiger bei Blechen, so auch bei dem Gemälde „Fuchs, vor seinem Bau liegend“ aus dem Jahre 1832, das sich ebenfalls im Saarlandmuseum befindet. Bei beiden Darstellungen werden die Gegenpole Gefahr versus Erlösung thematisiert. […]

Mit Blick auf das winterliche Waldstück ist es die tief verschneite Heiligenfigur – eine Variation zum häufig dargestellten Thema „Mönche im Wald“ – sowie die durch Bleistift angedeutete und über einen Bach führende Brücke, die eine hoffnungsfrohe und vertrauensvolle Perspektive generiert und damit die Gefahr, die der Wald heraufzubeschwören scheint, zu relativieren in der Lage ist.

(Dr. Stefan Heinlein, in: Der Zauber der Landschaft, 2011)

 

 

Begleitende Lyrik

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Rainer Maria Rilke, 1875 in Prag geboren, kam im September 1896 nach München, um an der Ludwig-Maximilians-Universität sein Studium der Rechtswissenschaften fortzusetzen. Wenige Monate später – am 12. Mai 1897 - lernte er bei einer Einladung des Schriftstellers Jakob Wassermann „zwei herrliche Frauen“ kennen, wie er seiner Mutter in einem Brief schrieb. Die herrlichen Frauen waren die Schriftstellerin und Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé und die Afrikaforscherin Frieda von Bülow, die für einige Wochen in München wohnten (im Anschluss gemeinsam mit Rilke in Wolfratshausen).

Mit Lou verband ihn von diesem Tag an eine leidenschaftliche Liebe, die ab Herbst 1897 auch in Berlin fortgeführt wurde, wo Lou mit ihrem Ehemann in Schmargendorf wohnte, Rilke bezog eine Unterkunft in Berlin-Wilmersdorf. Mit Lou an seiner Seite - die nicht nur für seine Namensänderung von René (Rilkes Geburtsname) in Rainer verantwortlich war, sondern auch für die erste Übersetzung von Rilkes Werk ins Russische - war er ausgesprochen produktiv.

Die Gedichte dieses Lebensabschnitts erschienen bereits an Weihnachten 1897 in dem Band „Advent, Gedichte aus München 1896/1897 von Rainer Maria Rilke“, seinem Vater gewidmet im Leipziger Verlag P. Friesenhahn – darin ist auch das gleichnamige Gedicht „Advent“ befindlich.

 

 

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde

die Flockenherde wie ein Hirt

und manche Tanne ahnt wie balde

sie fromm und lichterheilig wird.

Und lauscht hinaus: den weißen Wegen

streckt sie die Zweige hin – bereit

und wehrt dem Wind und wächst entgegen

der einen Nacht der Herrlichkeit.