Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938)

Tannen im Gebirge, 1920
Gemälde
Moderne Galerie

 

Im Frühjahr 1915 wurde Kirchner als Rekrut zur Feldartillerie nach Halle einberufen. Schon bald erwies er sich dem Dienst als nicht gewachsen und wurde beurlaubt. Eine allgemeine konstitutionelle Schwäche, Ängste, nervöse Erregungszustände, eine psychische Krise bedrängen ihn und führten zu Aufenthalten in Sanatorien.

1917 übersiedelte er nach Davos, um sich behandeln zu lassen, ein weiterer Sanatoriumsaufenthalt schloss sich in Kreuzlingen an. Nach seiner Entlassung im Juli 1918 richtete er sich in der Nähe von Davos bei Frauenkirch am Fuß der Staffelalp in einem Bauernhaus ein. […]

In den Monaten August und September 1918 hielt er sich auf der Staffelalp auf. Die Davoser Bergwelt, das bäuerliche Leben auf der Alp wurden zum Thema seiner Bilder. In einer Welt, die aus den Fugen geraten schien, fand er in der Schweiz, in der Abgeschiedenheit, im Gleichmaß des Alplebens – so der Titel eines gleichfalls 1919 entstandenen Gemäldes – jene Ursprünglichkeit die immer Sehnsucht der „Brücke“-Künstler war. Eine allmähliche Stabilisierung seiner gesundheitlichen Verhältnisse, die gleichwohl prekär blieben, deutet sich in einer zunehmenden künstlerischen Produktion in den Jahren 1919/20 an.

Bereits 1918 finden sich im Oeuvre Kirchners Gemälde von Bergwäldern, von Tannengruppen in der Umgebung der Staffelalp. „Tannen im Gebirge“ schließt sich diesen Gemälden an. Auf abfallendem Berghang steht dunkel-silhouettenhaft eine Gruppe von Tannen, deren rosa und violett akzentuierte Stämme eine betonte vertikale Tendenz in die Bildkomposition einbringen und den Eindruck eines nahezu majestätischen Emporragens hervorrufen.

Der abfallende Berghang einerseits und die aufragenden Tannen andererseits markieren die gegenläufigen Bewegungsrichtungen des Gemäldes. Auch aus dem Rhythmus der Formen – aus dem Rund der Hügel am Hang einerseits und den spitzen Zweigen der Tannen einerseits ergibt sich ein für die Bildkomposition spannungsvoller Gegensatz.

Der perspektivische Tiefenraum wird durch den hohen Horizont reduziert, die Formen und Farben entwickeln sich tendenziell in der Fläche. […]

Kirchner selbst erkannte bald eine Veränderung in den Farben seiner in Davos entstandenen Bilder, die er als „einfacher und doch leuchtender“ empfand, die jedoch keineswegs naturalistischen Vorstellungen entsprechen. Während in „Tannen im Gebirge“ die Sonne am frühen Abend bereits hinter den Bergen versunken ist, leuchtet der Himmel noch einmal in hellen Rosatönen, die einen Reflex im Berghang finden, explosionsartig auf, so dass die Dominanz der Farbe im Bildganzen unübersehbar ist.

(Ernst-Gerhard Güse, in: Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, Saarland Museum Saarbrücken, 1999)

Direktor Rudolf Bornschein erwarb das Gemälde 1955 bei der Galerie Ferdinand Möller, Köln.

 

 

Begleitende Lyrik

Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

August Heinrich Hoffmann - der sich zur Unterscheidung mit anderen Autoren des gleichen Nachnamens Hoffmann von Fallersleben nannte - ist vor allem als Verfasser der deutschen Nationalhymne bekannt geworden, die er im August 1841 auf Helgoland schrieb. Von seinem „Lied der Deutschen“ wird allerdings nur die dritte Strophe ab „Einigkeit und Recht und Freiheit…“ als deutsche Nationalhymne verwendet.

Zu seinen bekannten Kinderliedern zählen u.a. „Ein Männlein steht im Walde“ (1843) und „Kuckuck, Kuckuck, ruft‘s aus dem Wald“ (1835), die seine Popularität als volkstümlichen Dichter begründeten.

Ebenfalls im Jahr 1835 verfasste Hoffmann von Fallersleben den Liedtext „Der Weihnachtsmann“, der erstmals in Adelbert von Chamissos „Deutschem Musenalmanach für das Jahr 1837“ in gedruckter Fassung erschien. Die heute dazu in Deutschland bekannte Melodie wurde dem französischen Lied "Ah! vous dirai-je, maman"entlehnt.

 

Der Weihnachtsmann

Morgen kommt der Weihnachtsmann,

Kommt mit seinen Gaben.

Trommel, Pfeife und Gewehr,

Fahn und Säbel und noch mehr,

Ja ein ganzes Kriegesheer,

Möcht’ ich gerne haben.

 

 

Bring’ uns, lieber Weihnachtsmann,

Bring’ auch morgen, bringe

Musketier und Grenadier,

Zottelbär und Panthertier,

Roß und Esel, Schaf und Stier,

Lauter schöne Dinge.

 

 

Doch du weißt ja unsern Wunsch,

Kennest unsere Herzen.

Kinder, Vater und Mama,

Auch sogar der Großpapa,

Alle, alle sind wir da,

Warten dein mit Schmerzen.