Cornelis Huysmans (1648-1727)

Große Waldlandschaft mit der Begegnung von David und Abigail, um 1700
Gemälde
Alte Sammlung (Dauerleihgabe der SaarLB)

 

Cornelis Huysmans ist 1648, im Jahr des Westfälischen Friedens, in Antwerpen geboren. Die flämische Malermetropole stand damals noch ganz im Zeichen der geistigen Vorherrschaft des wenige Jahre zuvor verstorbenen Rubens, mit dem die große flämische Malerei des Barock bereits Geschichte geworden war. […] Durch Rubens, den man wohl die stärkste synthesenbildende Energie seines Zeitalters nennen darf, [war] italienische Bildschönheit und italienisches Temperament der Bilderfindung erstmals im Norden wirklich heimisch geworden, und beides hat auch auf Cornelis Huysmans, wie auf fast alle seiner malenden Landsleute, in der einen oder anderen Form bestimmend gewirkt. […]

Die „Große Waldlandschaft mit der Begegnung von David und Abigail“ ist ihrem Typus nach keine realistisch flämische, vielmehr eine imaginäre und insofern ideale Landschaft, die in den Augen der Zeitgenossen des Künstlers als „klassisch“ gegolten haben mag. Das war im späten 17. Jahrhundert, als unser Bild entstand, eine längst verfestigte Tradition, deren exemplarischste Vertreter, die beiden großen in Rom lebenden Franzosen Claude Lorrain und Nicolas Poussin, ihrerseits schulbildend gewirkt hatten. Es entsprach völlig dieser Tradition, daß Huysmans den idealen Status seiner Landschaft gleichsam innerbildlich explizierte mittels einer figürlichen Staffage-Erzählung, die ihrerseits zu den klassischen, also den zeitlos gültigen Themen der kanonischen Überlieferung zählte.

Diese Überlieferung umfasste im Barock sowohl die Bereiche der antiken Historie wie der griechisch-römischen Mythologie und der biblischen Geschichte. Huysmans entschied sich für eine alttestamentliche Begebenheit, die im 25. Kapitel des 1. Buches Samuel aus der unruhigen Verfolgungszeit des späteren Königs David berichtet wird, und auf die sowohl die dramatischen wie die lyrischen Stimmungsqualitäten seiner Landschaft sinnvoll Bezug nehmen.

Die Vorgeschichte des dargestellten Augenblicks ist kurzgesagt die folgende: David, der mit seinen Kriegern in der Wüste Paran Station macht, hört davon, dass ganz in der Nähe der überaus reiche Gutsbesitzer Nabal – dessen palastartiges Anwesen im Mittelgrund der Landschaft dargestellt ist – gerade Schafschur halte und sendet nun zhn seiner Leute zu Nabal mit dr Bitte, Anteil an seinen großen Vorräten zu bekommen; schließlich habe man inmitten kriegerischer Ereignisse sein Haus und seine Herden vor fremden Übergriffen geschützt. Nabal spottet dieser Botschaft und verweigert seine Hilfe. David ist empört und zieht mit vierhundert bewaffneten Leuten hinaus, sich zu rächen.

Im Hintergrund des Gemäldes rechts sind die Zelte seines Feldlagers zu erkennen. Von der bevorstehenden Gefahr erhält Abigail, die kluge und schöne Frau des Nabal, rechtzeitige Kunde. Um dem drohenden Unheil vorzubeugen, nimmt Abigail in aller Eile zweihundert Brote, zwei Schläuche Wein, fünf hergerichtete Schafe, hundert Traubenkuchen sowie zweihundert Feigenkuchen und bepackt damit Esel. So zieht sie David entgegen. Dargestellt ist nun der in Vers 23 beschriebene Augenblick der klugen Unterwerfung: „Sobald Abigail David sah, stieg sie eilends vom Esel herunter, warf sich vor David auf ihr Antlitz nieder und verneigte sich tief.“ Die Frau kann verhindern, dass David Blutschuld auf sich lädt, wovon sie anschließend dem Nabal berichtet, dessen Herz darüber wie ein Stein ward und versagte, so daß er starb. Als David davon hört, macht er Abigail einen Heiratsantrag und sie wird seine Frau.

Eine Geschichte also mit happy end, aber auch und vor allem mit einem moralischen Scopus: „Abigail kommt als Werkzeug des Herrn, um den künftigen König vor unüberlegtem Handeln zu bewahren.“

Dieser Scopus entspricht wiederum genau der im niederländischen Barock gern gepflegten Vorstellungen eines consensus von sittlicher Ordnung und Naturgesetz.

Die Landschaft und ihre Staffage sind einander keineswegs äußerlich, vielmehr sind beide im Horizont eines Bildsinnes wechselseitig integriert. Das Sittliche wird selbst als Naturhaftes verstanden und so erst als ein Allgemeines vor Augen gestellt. Das ist, wie bereits angedeutet, keine originäre Leistung des Malers, sondern ein durchaus zeittypischer Befund. […]

Die Verfestigung der Landschaftsmalerei zu einer eigenen Bildgattung hatte ihrerseits zur Etablierung feststehender bildlicher topoi geführt, die dann nicht selten wie Versatzstücke verwendet wurden; tatsächlich hat so gut wie jedes der von Huysmans verwendeten Motive auch seine eigene Motivgeschichte.

So kommt etwa das Motiv der gekreuzten Bäume im Vordergrund gerade in der flämischen Malerei um 1600 häufig vor, und auch das kleinteilige Figurengewimmel der Staffage vor einem Panorama von weltlandschaftlichen Dimensionen war bei Jan Brueghel dem Älteren schon vorgebildet, und schließlich geht auch die innerbildliche Umrahmung der Ferne, die den Ausblick wie ein Bild im Bild umschließt, zurück auf das Konzept der sogenannten Kartuschenlandschaften des späten 16. Jahrhunderts.

(Dr. Wolfram Morath, in: Die Alte Sammlung, Saarland Museum, 1995)

 

 

Begleitende Lyrik

Andreas Gryphius (1616-1664)

Andreas Gryphius zählt mit dem eine Generation älteren Martin Opitz zu den bedeutenden Lyrikern des deutschen Barock. In seinen Gedichten thematisierte er häufig das Leid und den Sittenverfall während des Dreißigjährigen Krieges sowie auch die damit verbundenen Religionsverfolgungen, unter denen er selbst zu leiden hatte.

Zu seinen bekanntesten Sonetten zählen "Es ist alles eitel" und "Tränen des Vaterlandes", beide 1637 in seiner ersten Sonettsammlung – allesamt (mit einer Ausnahme) im Versmaß des Alexandriners verfasst, den Martin Opitz in seinem Regelwerk der deutschen Dichtkunst im „Buch von der Deutschen Poeterey“ für Sonette empfohlen hatte – publiziert. Die Forschung nimmt an, dass die erste Auflage dieser 31 sogenannten „Lissaer Sonette“ (im polnischen Lissa gedruckt) relativ klein war, denn Anfang des 20. Jahrhunderts konnte lediglich ein Originalexemplar ausfindig gemacht werden.

 

Es ist alles eitel

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.

Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:

Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein,

Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

 

Was jetzt noch prächtig blüht, soll bald zertreten werden.

Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch’ und Bein,

Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.

Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

 

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.

Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?

Ach! Was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

 

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;

Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t.

Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten!