Johann Friedrich Dryander (1756-1812)

Bildnis Herr und Frau de Dietrich, 1797
Gemälde
Alte Sammlung

 

Seit dem Jahr 1796 weisen die Arbeitsbucheinträge des früheren Saarbrücker Hofmalers Johann Friedrich Dryander wieder vermehrt Aufträge von Bürgerlichen auf, die sich häufig noch „en mignature“ malen lassen, aber zuweilen auch „in großem Brustbild und Lebensgröße“. Darüber hinaus sicherte ihm das Erteilen von Zeichenunterricht zwar bescheidene, aber doch regelmäßige Einnahmen.

Dryander war wohl über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden, so dass ihn vor allem im Jahr 1797 einige Reisen nach Strasbourg, Mariakirch und Niederbrunn führten, um die zu Portraitierenden entweder vor Ort zu malen oder Vorstudien und Skizzen anzufertigen, die ihm zuhause als Arbeitsgrundlage für das auszuführende Gemälde dienten.

So reiste er am 20. Juni nach Strasbourg, am 10. Juli nach Niederbrunn und schließlich am 31. Juli wieder nach Strasburg, um „daselbst“ zu malen. Am 6. August notierte Dryander in seinem Arbeitsbuch: „Das Gemälde, Hl: und Madame Dietrich beide auf einem Stück an einem Felsen stehend, nebst der Gegend vom Jägerthal im Grund, vollendet“, wofür er abschließend 14 Louis d’or empfangen hat. Dieser Eintrag lässt die Annahme zu, dass Dryander das Bildnis bereits während seines ersten Aufenthaltes vom 20. bis 30. Juni begonnen hatte und seit 31. Juli zu Ende führte.

Das Gemälde gelangte 1985 aus dem Kunsthandel in den Besitz des Saarlandmuseums. Es ist vorne links am Stein signiert und datiert mit den Worten „peint par Dryander de Saarbruck 1797“. Seit 1931 – mit Eingang des Nachlasses Dryander in das Inventar des damaligen Heimatmuseums der Stadt Saarbrücken (danach Stiftung Saarländischer Kulturbesitz) – war bereits eine Vorzeichnung zu diesem Gemälde erhalten.

Die Darstellung der Portraitierten vor landschaftlicher Kulisse unterscheidet sich bezüglich der bildkompositionellen Aufteilung nicht von den Bildnissen, die er zur gleichen Zeit von den französischen Militärbeamten anfertigte.

Bei den Dargestellten handelt es sich wahrscheinlich um Jean-Albert Frédéric de Dietrich (1773-1806) und seine Ehefrau Amélie de Berckheim (1776-1855). Das Ehepaar de Dietrich befindet sich vor einer Baumgruppe mit Felsen, dahinter erstreckt sich am linken Bildrand ein Ausblick in die Landschaft (die "Gegend vom Jägerthal im Grund"), der durch weitere Staffagefiguren bis zu einer am Horizont gelegenen Kirche weitergeführt wird. Während bei der Baumgruppe mit ausladender Baumkrone, die die Portraitierten unmittelbar hinterfängt, ein detailgetreues Erfassen des Blattwerks fokussiert wird, ist die Baumformation, die Herrn de Dietrich mit seiner in die Tiefe des Bildes weisenden Gestik umgibt, nur noch als verschmolzene Umrissmasse wahrnehmbar und vermittelt damit eine tiefenräumliche Erstreckung.

Der elsässische Hüttenbesitzer De Dietrich, der entsprechend der Mode der Zeit eine kurze Kniehose, Weste und Mantel sowie eine Halsbinde trägt, bezeugt durch Körperhaltung und überkreuztem Standmotiv die für Dryander typischen Darstellungsformeln, die bei ganzfigurigen männlichen Portraits zur Anwendung kamen.

Weniger geübt war Dryander offensichtlich bei der Darstellung von weiblichen, sitzenden Figuren. Seine qualitativ hochwertigen Portraits von Prinzessinnen aus den 80er Jahren zeigen diese entweder in der beliebten Ovalform und der Beschränkung auf das Brustbild oder im Halbfigurenportrait.

Madame de Dietrich, mit weißem Chemisenkleid und dekorativ um ihre Schultern gelegten apricot-farbenen Schal, sitzt schräg zum Betrachter auf einem Felsstück. Ihr Unterkörper weist Proportionsunstimmigkeiten auf, vergleicht man die Länge der Unterschenkel im Verhältnis zu den anzunehmenden Proportionen ihrer Oberschenkel. Die hohe Gürtung des Kleides verstärkt diesen Eindruck noch. Ihre Unterarme sind im Vergleich zum übrigen Körper geradezu miniaturhaft ausgebildet. Ungewöhnlicherweise für Dryander kommt das Beleuchtungslicht in diesem Bildnis von verschiedenen Seiten, was sich am Schlagschatten bei Herrn Dietrich zeigt, aber auch beim an den Felsen angelehnten Stockschirm von Madame Dietrich, der deutlich erkennbar als Schattenwurf noch einmal die Umrisslinien nachzeichnet.

(Dr. Elke Schwarz, Fördergesellschaft)

 

 

Begleitende Literatur

Theodor Fontane (1819-1898)

Theodor Fontane, 1819 in Neuruppin geboren und zunächst als Apotheker ausgebildet, veröffentlichte seine erste Novelle „Geschwisterliebe“ im Jahr 1839. Erst zehn Jahre später, 1849, beschloss er sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen. Zunächst arbeitete Fontane für verschiedene Zeitungen, Anfang der 1850er Jahre begann er für die „Centralstelle für Preßangelegenheiten“ zu arbeiten und lebte von 1855 bis 1859 als deren Korrespondent  in London.

Nach Deutschland zurückgekehrt, verfasste er Reiseberichte, die er 1862 zu einer Sammlung mit dem Titel „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ vereinte (1862-1889 in fünf Bänden erschienen).

Zu seinen bekanntesten Werken zählen ferner die 1889 erschienene Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und die Romane „Effi Briest“ (1896) und „Der Stechlin“ (1898).

Der Roman „Effi Briest“, der zuerst von Oktober 1894 bis März 1895 in der Literaturzeitschrift „Deutsche Rundschau“ in sechs Fortsetzungen abgedruckt wurde, bevor er 1896 als Buch erschien, gilt als herausragendes Werk des poetischen Realismus und zugleich als Vorreiter des deutschen Gesellschaftsromans, das etwa Thomas Manns „Buddenbrooks“ literarisch vorbereitet hat.

Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Von Fontane gibt es - neben seinen Gedichten - auch eine Vielzahl an überlieferten Zitaten und Sprüchen wie auch das folgende Zitat zur „Ehe“.

 

Die Ehe, zum Mindesten
das Glück derselben,
beruht nicht auf der Ergänzung,
sondern auf dem gegenseitigen Verständnis.

Mann und Frau müssen nicht Gegensätze,
sondern Abstufungen,
ihre Temperamente müssen verwandt,
ihre Ideale dieselben sein.