Kunst in Quarantäne 2.0

Max Slevogt (1868-1932)

Weinlese am Hämmelsberg, 1917
Moderne Galerie
 

Slevogts Gemälde „Weinlese am Hämmelsberg“ gelangte 1982 mit Eingliederung der Sammlung Kohl-Weigand in die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Es entstand 1917 in der Nähe seines Wohnsitzes in Neukastel, wo er nach einem kurzen und ernüchternden Einsatz als Kriegsmaler in Frankreich die sich anschließenden Kriegsjahre verbrachte.

„Der Blick, den Slevogt in 'Weinlese am Hämmelsberg' festhält, geht über das Leinsweiler Tal auf den Wasgenwald. Es ist Herbst, schon hat die vom leichten Dunst des späten Nachmittags verhangene, lange Schatten werfende Sonne ihre volle Kraft verloren. Drei Frauen steigen, Körbe und Kübel mit Trauben tragend, aus dem abfallenden Weinberg heraus. Im Gegenlicht erscheinen sie von einem hellen Lichtkranz umgeben. Hinter ihnen leuchtet in prallen herbstlichen Farben der Weinberg, während der schon nicht mehr von der Sonne erreichte Wasgenwald in tiefem Dunkelgrün dazu konstrastiert. Die Ruhe der Pfälzer Landschaft, ihre sanften Farben werden zum Gegenbild zu den Ereignissen des Krieges. Die Menschen arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten, im Einklang mit Natur und Landschaft, während der Krieg für Slevogt in der 'blinden Zerstörung', die er bot, ein Heraustreten aus der Ordnung der Schöpfung, eine 'auf den Kopf gestellte Umwelt' bedeutete.

Die 'Weinlese am Hämmelsberg' entwickelt ihre Bedeutung aus dem Wissen um die Zeitereignisse, in denen sie entstand. Sie wird über die Darstellung einer Herbstlandschaft hinaus zur Erinnern ung an das, was Frieden im umfassenden Sinn meint – Respektierung nämlich der Schöpfung und ihrer Ordnung. Das Bild enthält weder Krieg noch Revolution – in Rußland hatte der Zar nach der Februarrevolution bereits abgedankt -, sondern erinnert inmitten einer katastrophalen, auf dem Kopf stehenden Gegenwart an eine Situation gleichsam 'ewiger' Ordnungen und ist insofern kritischer Zeitkommentar."

(Ernst-Gerhard Güse, in: Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, 1999)

 

Begleitende Lyrik

Max Dauthendey (1867-1918)

Der 1867 in Würzburg geborene und 1918 nach Internierung in der Kolonie Niederländisch-Indien gestorbene Max Dauthendey zählte zu den bedeutendsten Schriftstellern des Impressionismus in Deutschland.

Stefan George rühmte Dauthendeys Gedichte als das „einzige, was jetzt in der ganzen Literatur als vollständig Neues dasteht, […] eine eigenartige Kunst, die reicher genießen lässt als Musik und Malerei, da sie beides zusammen ist", für Rainer Maria Rilke war er einer "unserer sinnlichsten Dichter, in einem fast östlichen Begriffe."

Seine Novellensammlungen "Lingam" (1909) und "Die acht Gesichter vom Biwasee" (1911) gehören zu den eindrucksvollsten Hinterlassenschaften von Dauthendey.

 

Weinlese

Nun will sich jeder gern bücken,

Man trägt jetzt Butten am Rücken,

Drinnen die Trauben sich drücken.

 

Nun schlürfe nur Süßigkeit,

Und mache den Rücken recht breit,

Und schleppe dein Teil heim beizeit.

 

Und füllst du ins Fass deinen Wein,

Und bist du mal kalt und allein, -

Mit dem Wein bist du immer zu zwein.

 

Der Wein feuert ein alte Glatzen,

Macht Nachtigallen aus Spatzen

Und lockt dir den Amor, den Fratzen.