Kunst in Quarantäne 2.0

Kruzifix aus Limoges

Anfang 13. Jh.
Alte Sammlung
 

Die beiden ältesten Stücke der Skulpturen-Abteilung der Alten Sammlung stammen aus Limoges. Sie repräsentieren exemplarisch die hohe Qualität romanischer Goldschmiedeerzeugnisse, die in der Liturgie fast aller größeren Konvente, Abteien und Stifte, wie sie auch in der Saargegend existierten – allen voran St. Arnual – Verwendung fanden.

Das qualitätvollere der beiden Kruzifixe aus Limoges (Abbildung) wurde 1914 in der Saar 30 Meter oberhalb der alten Brücke vom Bäckermeister Ludwig Becker gefunden. Nach einer Schenkung an das Theresienheim Saarbrücken wurde es ein Jahr später verkauft und 1931 vom Landeshauptmann der Rheinprovinz, Herrn Horion, an das seinerzeitige Heimatmuseum der Stadt Saarbrücken übergeben.

Die Herstellung des Kruzifixes erfolgte im Wachsausschmelzverfahren, wie es bei Theophilus Presbyter im dritten Buch der "Schedula diversarum artium" beschrieben wird. Das Kruzifix besteht aus Kupfer mit Grubenschmelzemail, einer für Limusiner Goldschmiedearbeiten des 12. und 13. Jahrhunderts charakteristischen Technik.

Corpus und Kreuz wurden getrennt gefertigt und dann zusammengenietet. Für das Kreuz wurde eine Kupferplatte verwendet, bei der der Goldschmied mit Stichel und Meißel kleine Gruben ausgehoben hat, in die dann Glasflüsse mit unterschiedlichen Oxydzusätzen – je nach gewünschtem Farbton – eingeschmolzen wurden. Das Kupfer wurde zuletzt vergoldet. Die erkennbaren Löcher (viermal zwei) an den Rändern des Kreuzes deuten darauf hin, dass das Kruzifix auf einer hölzernen Unterlage befestigt war. Es war – wie Volkelt glaubhaft machen konnte – nur das Mittelstück eines ursprünglich größeren Kreuzes, das vielleicht als "Altar- oder Prozessions-Tragekreuz" gedient haben mag.

Die Kreuzarme sind mit kreisförmigen Emaileinlagen geschmückt, bei denen unterschiedliche Farben konzentrisch – ohne Trennstege – nebeneinandergesetzt worden sind. Die Kreise besitzen dunkle Kerne (rot und dunkelgrün bzw. dunkelblau) und hellere äußere Kreise mit lichten Farben (hellblau bzw. hellgrün und gelb oder weiß). Sie sind, neben rautenförmigen Motiven, in einem blauen Emailgrund eingebettet, so daß ein "siderisches" Milieu erzeugt wird, das den transzendenten Charakter des Dargestellten akzentuiert. Der Corpus, der den sogenannten romanischen Viernageltypus vertritt, zeigt den "Christus triumphans" (mit dreizackiger Emailkrone und graviertem Kreuznimbus), als göttlichen Alleinherrscher, der den Tod überwunden hat. Seine nach außen gestellten Füße befinden sich vor einem korallenroten Fußschemel (Suppedaneum). Die Beine überschneiden sich, das linke Bein schiebt sich vor das rechte. Der Lendenschurz besitzt innerhalb des ovalen Umrisses v-förmige Faltenformationen, die ehemals mit Email verziert waren.

Der Corpus weist darüberhinaus – wie bei fast allen Limusiner Kruzifixen – einen leichten s-förmigen Schwung auf, der im nach rechts gewendeten Haupt Christi kulminiert. Auch die Binnenstruktur des Oberkörpers mit dem hochovalen, vorgeschobenen Bauch und den seitlich eingravierten Rippen, die im fließenden Linienzusammenhang gegeben sind, darf geradezu als Darstellungsformel der Limusiner Goldschmiedearbeiten bezeichnet werden. Die sichere Verwendung der Gravuren und die ausgewogene Proportionierung weisen das Kruzifix als vorzügliches Werk der Limusiner Werkstätten aus.

(Christof Trepesch, in: Bestandskatalog "Die Alte Sammlung" 1995)

 

Begleitende Lyrik

Andreas Gryphius (1616-1664)

Andreas Gryphius zählt neben Martin Opitz zu den bedeutenden Lyrikern des deutschen Barock. In seinen Gedichten thematisierte er häufig das Leid und den Sittenverfall während des Dreißigjährigen Krieges. Zu seinen bekanntesten Sonetten zählen "Es ist alles eitel" (Du sihst/ wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden. Was dieser heute baut/ reist jener morgen ein) und "Tränen des Vaterlandes" beide 1637 publiziert.

"Tränen des Vaterlandes" gehört zu den insgesamt 31 sogenannten „Lissaer Sonetten“ (im polnischen Lissa gedruckt). Zu dieser ersten von Gryphius veröffentlichten Sonettsammlung zählt auch das geistliche, in Alexanderinern verfasste Sonett "An den gecreutzigten Jesum" (hier die Fassung letzter Hand aus dem Jahr 1663).

 

An den gecreutzigten Jesum.

Sarbievii: Hinc ut recedam.

HIr wil ich gantz nicht weg! laß alle Schwerdter klingen!

Greiff Spiß und Sebel an! brauch aller Waffen Macht

Vnd Flamm’ / und was die Welt für unerträglich acht.

Mich sol von disem Creutz kein Todt / kein Teufel bringen.

Hir wil ich / wenn mich Ach und Angst und Leid umbringen /

Wenn Erd und Meer auffreisst / ja wenn der Donner Macht /

Mit dunckel-rotem Blitz auff meinem Kopffe kracht /

Ja wenn der Himmel fällt / hir wil ich frölich singen.

Weil mir die Brust noch klopfft / auch weder dort noch hir /

Vnd nun und ewig sol mich reissen nichts von dir.

Hir wil ich / wenn ich soll / den matten Geist auffgeben.

Du aber / der du hoch am Holtz stehst auffgericht;

Herr Jesu / neig herab dein bluttig Angesicht /

Vnd heiß durch deinen Tod im Tod mich ewig leben!