Kunst in Quarantäne 2.0

Auguste Renoir (1841-1919)

Ansicht von Cagnes, 1903-1905
Gemälde
Moderne Galerie

 

Cagnes wurde in den Jahren nach 1903 mehr und mehr zum bevorzugten Aufenthaltsort Renoirs. Zunächst mietete er sich in der Maison de la Poste ein, 1907 erwarb er das Landgut Les Collettes und errichtete dort eine Villa mit Atelierräumen, die er im Herbst 1908 bezog.

Obwohl Renoir Figurenkompositionen und Portraits bevorzugte, finden sich doch in seinem Werk eine Reihe äußerst stimmungsvoller Landschaften. "Ansicht von Cagnes" hält eine wenig spektakuläre mediterrane Landschaft fest - einen Bauernhof mit Nebengebäuden, umgeben von südlicher Vegetation, in der Ferne ein Gebirgszug.

In dieser atmosphärisch bestimmten Landschaft, deren Formen sich im Dunst des Sommertages auflösen, geben allein die konstruktiven Fromen der Häuser im Mittelgrund der Komposition Festigkeit. Der Hof wird zudem durch das von weißen Wänden reflektierte Licht betont, auch durch das Rot seines Daches, das über das Grün der Bäume hinwegleuchtet.

Einen nicht zu übersehenden Akzent innerhalb der Komposition erhält das ruhige Nebeneinander der Mutter mit ihrem Kind im Bildzentrum, die im Licht der Sonne aus dem Grün des Vordergrundes hervorgehoben werden. Es sind die Stille, die Harmonie eines ungetrübten Sommertages, die dieser südlichen Landschaft ihren besonderen Reiz geben.

In einer Zeit, in der die Rheuma-Krankheit seinen Körper schon zu zerstören begann, gelang es Renoir in seiner Malerei, das Leben in seinen freundlichen, heiteren Aspekten vorzustellen.

(Ernst-Gerhard Güse, in: Saarland Museum Saarbrücken, 1999)

 

Begleitende Lyrik

Paul Verlaine (1844-1896)

Paul Verlaine, der 1844 in Metz geboren wurde, gehört neben Charles Baudelaire, Arthur Rimbaud und Stéphane Mallarmé zu den bedeutenden französischen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit Mallarmé gilt er als Hauptvertreter des Symbolismus in Frankreich.

Mit dem 10 Jahre jüngeren Rimbaud verband ihn eine besondere Freundschaft, die schließlich zur Obsession führte. Ab 1871 reisten die beiden (nachdem Verlaine seine Familie verlassen hatte) zusammen und führten ein Vagabundenleben.

Auf einer Reise nach Belgien eskalierte die "Freundschaft" und nahm ein dramatisches Ende. Der alkoholisierte Verlaine verletzte Rimbaud mit mehreren Pistolenschüssen, die ihm eine zweijährige Gefängnisstrafe einbrachten.

In der Zeit der Inhaftierung in Mons fand Verlaine zum katholischen Glauben zurück und veröffentlichte im Anschluss die Gedichtsammlung "Sagesse" (Weisheit). Dieser Sammlung ist das Gedicht "Es glänzt der Himmel" entnommen.

 

Es glänzt der Himmel

Es glänzt der Himmel über dem Dach
So blau, so stille.
Ein Baum wiegt draußen über dem Dach
Der Blätter Fülle.

Eine Glocke im Himmel, den du siehst,
Hörst sanft du klingen,
Einen Vogel auf dem Baum, den du siehst,
Seine Klage singen.

Mein Gott! Mein Gott! Das Leben fließt dort
Ohne Leiden und Härmen,
Vom Städtchen kommt mir herüber dort
Ein friedliches Lärmen.

Und du dort, der weint bei Tag und Nacht
In schmerzlicher Klage,
O sage mir du dort, wie hast du verbracht
Deine jungen Tage?

(in der Übersetzung von Wolf von Kalckreuth)