Kunst in Quarantäne 2.0

Der Tintenfisch

Nr. 1, Juni 1948
Deutsches Zeitungsmuseum
 

Der Tintenfisch war eine satirische Zeitschrift, die im Saarland von 1948 bis 1953 erschien. Die Zeitschrift erreichte zeitweise eine Auflage von bis zu 30.000 Exemplaren. Die erste Nummer erschien noch am gleichen Tag, an dem die Lizenz der französischen Besatzungsbehörden zum Erscheinen der Zeitschrift erteilt wurde: am 17. Juni 1948.

Der Tintenfisch erschien alle 14 Tage, Chefredakteur war Bruno Koppelkamm, unterstützt wurde er von einem Team freier Mitarbeiter, darunter Roland Stigulinszky, Bob Strauch und Fritz Jung. Der Tintenfisch unterlag ab dem Frühjahr 1949 der verlagsinternen Vorzensur, nachdem die zweite Februar-Nummer und die beiden darauffolgenden Ausgaben verboten worden waren. 1952 verstärkten sich die Auseinandersetzungen zwischen Redaktion und Verlag über die Einflussnahme auf die Inhalte, die aufgrund der Zensurmaßnahmen an satirischer Schärfe verloren. Dies wiederum ließ die Auflage deutlich sinken, sodass die Zeitschrift Ende 1953 eingestellt wurde.

(Deutsches Zeitungsmuseum)

 

Begleitende Literatur

Klabund (1890-1928)

Klabund, 1890 als Alfred “Fredi“ Henschke geboren, gehörte neben Erich Kästner und Kurt Tucholsky zu den bedeutenden satirischen Schriftstellern der Weimarer Republik. Er schrieb bereits vor dem Ersten Weltkrieg für die Zeitschriften "Jugend" und "Simplicissimus" und war ab 1914 Mitarbeiter der Zeitschrift "Die Schaubühne" (später "Die Weltbühne"). Für seine erste Buchveröffentlichung wählte er das Pseudonym "Klabund", zusammengesetzt aus "Kla-bautermann" und "Vaga-bund". In der Zeitschrift "Jugend" schrieb er auch unter dem Pseudonym "Jucundus Fröhlich", für einige seiner erotischen Gedichte (u.a. Carmencita, Mady-Foxtrott) wählte er "Pol Pott" als Pseudonym.

Im Jahr 1927 erschien Klabunds damals populärer Gedichtband "Die Harfenjule", mit einer Auswahl seiner Gedichte, Balladen und satirischen Verse. Zwei Jahre zuvor hatte er eine der bekanntesten Schauspielerinnen der Weimarer Republik geheiratet: Carola Neher. Klabund, der bereits als 16-jähriger an Tuberkulose erkrankt war, starb 1928 in Davos an einer Lungenentzündung.

In seinem Sammelband „Die Harfenjule“ ist ein gleichsam kurioses wie typisches Klabund-Gedicht enthalten. Es charakterisiert eine Figur namens "Bauz", die mittels Buchstabenvertauschung zum "Kauz" wird.

 

Bauz

Bauz schwingt zierlich den Zylinder,
Bauz entstellt sich hiermit vor.
Bauz hat 45 Kinder
Und nen Bruch im Wasserrohr.

Bauz ist ohne alle Frage,
Bauz ist geradezu direkt,
Bauz macht jede Nacht zum Tage,
Bauz hat einen Schlauchdefekt.

Bauz ist jeder Krone Gipfel,
Bauz ist jedes Ärmels Loch,
Bauz ist auf dem I das Tipfel,
Bauz kroch, wo noch keiner kroch.

Bauz ist wiederum hingegen,
Bauz ist zwecks zu dem behuf,
Bauz ist andernteils deswegen,
Bauz ist ohne Widerruf!