Weihnachts-Special

SOL INVICTUS

Bronzemünzen (Folles)
römisch, 1. Viertel 4. Jh. n. Chr.                                                                                                                                 
Museum für Vor- und Frühgeschichte

 

Die heutigen, vom Christentum geprägten Bräuche waren nicht immer Neuerfindungen dieser Religionsgemeinschaft, sondern wurzeln auch in älteren, heidnischen Sitten und kultischen Handlungen, die mit dem neuen Gedankengut verschmolzen. Wir nehmen den heutigen Feiertag zum Anlass, uns mit der Frage zu befassen, ob auch das Weihnachtsfest entsprechende Vorläufer hat:

Vom 17. bis zum 23. bzw. später bis zum 30. Dezember feierten die Römer die Saturnalien. Das Fest wurde zu Ehren des Gottes Saturn veranstaltet und galt als wichtiges Bauernfest am Ende der winterlichen Aussaat. Mit der heutigen Vorstellung von Weihnachten hat es jedoch wenig zu tun: ein närrisches Treiben, in dem gesellschaftliche Konventionen auf den Kopf gestellt wurden. Herren bedienten ihre Sklaven. Man legte die übliche Kleidung ab und „verkleidete“ sich. Wein floss in Mengen und Glücksspiel um Geld wurde ausnahmsweise erlaubt. Es gab einen gewählten Saturnalien-Fürsten und Spottreden wurden aufgeführt. Eine kurze Aus-Zeit der gesellschaftlichen Normen frei von Hemmungen und Moral – klingt mehr nach Karneval mit Prinzenpaar und Büttenrede?

Ein anderer Vorläufer des Weihnachtsfestes könnte im Geburtstagsfest des Sol Invictus zu suchen sein, des römischen Sonnengotts, dessen Geburtstag am 25. Dezember gefeiert wurde. Im julianischen Kalender (45 v. Chr. von Julius Caesar eingeführt) war dies der Tag der Wintersonnenwende. Der römische Sonnenkult war ein sehr alter Kult, der bereits in republikanischer Zeit existierte. Kaiser Aurelian erhob ihn 274 n. Chr. zum Staatskult und weihte am 25. Dezember für Sol, den Lichtbringer, einen Tempel auf dem Marsfeld in Rom – ein Datum, das fortan als Festtag zu Ehren des Sonnengottes galt. Die Verehrung des Sol wurde auch von den nachfolgenden Kaisern fortgesetzt und im Sinne ihrer Staatspropaganda genutzt. So überreicht Sol in Darstellungen dem römischen Kaiser den Erdglobus als Zeichen der göttlichen Legitimation der kaiserlichen Weltherrschaft. Kaiser Konstantin der Große (Regierungszeit 306-337 n. Chr.) wählte Sol als persönlichen Schutzgott zur Sicherung seiner Herrschaft und ließ daher zahlreiche Münzen mit Darstellung des Sol Invictus, des „unbesiegten Sonnengottes“, prägen. Mit dem Sieg Konstantins in der bedeutenden Schlacht an der Milvischen Brücke 312 und der „Mailänder Vereinbarung“ im darauffolgenden Jahr wurde Religionsfreiheit eingeführt und das Christentum erlaubt – mitunter, weil Konstantin für den Sieg den christlichen Gott verantwortlich sah. Konstantin unterstützte und protegierte die neue Religion seines „wahren Siegesgottes und Lichtbringers“, versuchte jedoch auch den Großteil seines noch dem heidnischen Glauben angehörigen Volk nicht zu verprellen (Er selbst ließ sich auch erst auf dem Totenbett 337 taufen). Daher wurde weiterhin das Fest des Sol am 25.12. gefeiert.

 

„Nach feierlichem Herkommen pflegten die Heiden am 25. Dezember das Geburtsfest des Sonnengottes … zu feiern und zur Erhöhung der Festlichkeit Lichter anzuzünden. An diesen festlichen Bräuchen liessen sie auch das Christenvolk theilnehmen. Da nun die Lehrer der Kirche die Wahrnehmung machten, dass die Christen an diesem Feste hiengen, kamen sie nach reiflicher Erwägung zu dem Entschluss, an diesem Tag... fortan das Fest des wahren Aufgangs (dh. Geburt), am 6. Januar aber das Fest der Erscheinung (Epiphanie) zu feiern.“ (Notiz eines unbekannten Autors bei Dionysius bar Salibi, 12. Jh.)

 

So könnte das Weihnachtsfest auf ein Datum gewandert sein, an dem die römische Gesellschaft ohnehin ein etabliertes und populäres Fest feierte, und die Festanlässe verschmolzen. Dieses Phänomen wird als Synkretismus bezeichnet. Eine ähnliche Entwicklung erleben wir heutzutage, wenn auch zahlreiche Nicht-Christen Weihnachten feiern und sich das Fest von seinem christlich-religiösen Anlass zu allgemeinem, kulturellem Brauchtum wandelt. Beweisbare Belege gibt es weder für die Saturnalien noch für das Fest des Sol als Vorläufer des christlichen Weihnachtsfestes – beide Thesen finden sowohl Fürsprecher als auch Gegner.

Auch in der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte gibt es zahlreiche Münzen aus der Zeit Kaiser Konstantins I., die Sol Invictus zeigen.

Auf dem einen Beispiel ist nur das Haupt des Gottes mit dem Strahlenkranz als Sinnbild der Sonne dargestellt. Die andere Münze zeigt Sol stehend und mit einem Manteltuch bekleidet, mit dem Strahlenkranz auf dem Kopf, eine Hand erhoben, in der anderen den Weltglobus haltend (Fundort: Bliesmengen-Bolchen, Gemeinde Mandelbachtal, Saarpfalz-Kreis). Die Umschrift beider Münzbilder lautet: SOLI INVICTO COMITI (= Dem unbesiegten Sonnengott, Begleiter (des Kaisers)).

 

HILAREM SOLLEMNITATEM IN DIE NATALE CHRISTI ET FAUSTUM ANNUM NOVUM VOBIS CUNCTIS OPTAMUS!

Thomas Martin, Sammlungsleiter, Museum für Vor- und Frühgeschichte

 

 

Begleitende Lyrik

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

 

Joseph Freiherr von Eichendorff zählt neben E.T.A. Hoffmann und Novalis zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern der Romantik. 1788 in Oberschlesien geboren und zunächst in Halle, Heidelberg, Wien und Berlin bis 1812 Jura studierend, widmete er sich erst ab 1843 hauptsächlich der Schriftstellerei.

Eine seiner bekanntesten Novellen mit dem Titel „Aus dem Leben eines Taugenichts“ entstand bereits Anfang der 1820er Jahre und lag 1826 gedruckt vor. Wie von Eichendorff gerne und häufig verwendet, sind auch im „Taugenichts“ verschiedene Gedichte/Lieder integriert. Gleich zu Beginn, als Taugenichts in die Welt auszieht, singt er das Lied (Gedicht), das mit den Worten „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt, dem will er seine Wunder weisen…“ beginnt. Durch die Vertonung dieses Gedichts durch den seinerseits bedeutendsten romantischen Komponisten der Schweiz, Friedrich Theodor Fröhlich, erlangte es als Volkslied populären Charakter.

Auch die Vertonung Eichendorffscher Gedichte von Robert Schumann im sog. „Liederkreis op. 39“ (12 Gedichte enthaltend; insgesamt vertonte Schumann 21 Gedichte von Eichendorff) im Jahr 1840 steigerte die Popularität Eichendorffs bereits zu seinen Lebzeiten.

Eichendorff starb 1857 im Alter von 69 Jahren an einer Lungenentzündung.

 

Das Gedicht „Weihnachten“ entstammt der Sammlung „Gedichte (Geistliche Gedichte)“ aus dem Jahr 1841 (Ausgabe letzter Hand).

 

 

Weihnachten

 

Markt und Straßen stehn verlassen,

Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh’ ich durch die Gassen,

Alles sieht so festlich aus.

 

An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeug fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

 

Und ich wandre aus den Mauern

Bis hinaus in’s freie Feld,

Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!

Wie so weit und still die Welt!

 

Sterne hoch die Kreise schlingen,

Aus des Schnees Einsamkeit

Steigt’s wie wunderbares Singen –

O du gnadenreiche Zeit!