Drei Ananaspokale

Nürnberg, 16./17. Jh.
Silber
Alte Sammlung

 

Im Jahr 1980 gelangten 170 Silberschmiedearbeiten der Friedrich-Sicks-Stiftung als Schenkung in den Bestand der Alten Sammlung.

Eindrucksvoll, wenn für unsere Augen vielleicht auch etwas befremdlich, sind die Buckelpokale, die sich seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert hielten

Das Heraustreiben von Buckeln erforderte hervorragendes Material und außerordentliche handwerkliche Geschicklichkeit. In Nürnberg gab es seit 1573 ein Modell, dem die Gesellen nachzueifern hatten. Diese Prunkpokale waren zugleich Ausdruck einer traditionsbewussten Stilhaltung der Zeit, die gotische Grundformen ganz besonders schätzte.

Entsprechend den Anklängen an Naturformen werden sie Akeley-, Trauben- oder Ananas-Pokale benannt. Besonders liebevoll der krönende „Schmeck“ oder „Strunk“ auf dem Deckel, ein Silberblechsträußchen in einer Vase.

 

Friedrich Sicks hatte 1980 für 100.000 Schweizer Franken gleich drei Exemplare erworben (Abbildung):

Mit 58cm der höchste, einem Gewicht von 1340 g der schwerste und einer Entstehungszeit um 1600 der jüngste ist der Traubenpokal von Adam Vischer: Aus dem sechspassigen Sockel erwächst ein reicher, durchbrochener Schaft mit maskaronverzierten Spangen, Blumen- und Blätterwerk, die die kunstvoll getriebene Kuppa mit Deckel und Schmeck tragen (Abb. rechts).

Ein mit einer Höhe von 32,5 cm und einem Gewicht von 340 g kleinerer Pokal von Paulus Bair aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigt einen buckelig getriebenen kleinen Fuß, als Schaft einen Baumstamm, den ein Holzfäller gerade zu schlagen versucht (Abb. Mitte).

Der dritte Pokal aus der Mitte des 17. Jahrhunderts von Jeremias Frenkking ist etwas niedriger und leichter, entspricht aber weitgehend den anderen. Buckelungen gehörten zum Standardprogramm der Goldschmiedekunst nicht nur für Prunkpokale.

(Barbara Purbs, in: Die Alte Sammlung, Saarland Museum, 1995)

 

 

Begleitende Lyrik

Achim von Arnim (1781-1831)

Achim von Arnim, geb. 1781 in Berlin, gest. 1831 auf Schloss Wiepersdorf, gehört neben Joseph von Eichendorff und Clemens Brentano zu den bedeutenden Vertretern der literarischen Romantik (sog. „Heidelberger Romantik“). Gemeinsam mit Brentano gab er 1805 (und folgend 1806 und 1808) eine dreibändige, mehr als 700 Volkslieder umfassende Sammlung mit dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ heraus.

Achim von Arnims Gedicht „Der Pokal“ ist vor allem 1918 in der Vertonung durch Richard Strauss bekannt geworden:  „Fünf kleine Lieder nach Gedichten von Achim von Arnim und Heinrich Heine für eine Singstimme und Klavier“ (op. 69 Nr. 2, Der Pokal).

 

 

Der Pokal

Freunde, weihet den Pokal

Jener fremden Menschenwelt,

Die an gleichem Sonnenstrahl

Sich erhellt, gesellt, gefällt;

Glück den lieben Unbekannten

Lichtgesandten, Herzverwandten,

Deren Augen übergehen,

Wenn sie in die Sonne sehen!