Camille Pissaro (1830-1903)

Potager à Pontoise avec paysanne, um 1880
Gemälde
Moderne Galerie

 

Camille Pissaro wurde 1830 auf der Antilleninsel St. Thomas geboren und übersiedelte erst 1855 endgültig nach Frankreich. Unter den impressionistischen Künstlern – er war zwei Jahre älter als Manet und zehn Jahre älter als Monet – war er der Älteste, so daß sich in seinem Werk die Entwicklung der französischen Malerei vom Pleinair der Schule von Barbizon über den Impressionismus bis zum Pointillismus verfolgen lässt. Anfangs bewunderte er Delacroix und Millet, vor allem gab ihm Corot Orientierung. Später arbeitete er mit Cézanne und Gauguin zusammen, die die Entwicklung über den Impressionismus hinausführen sollten. Als einziger Künstler nahm er an allen acht Gemeinschaftsausstellungen der Impressionisten teil, die zwischen 1876 und 1886 stattfanden.

Seine Motive fand Pissaro überwiegend in der ländlichen Umgebung von Paris, in der Ile-de-France, erst gegen Ende seines Lebens wandte er sich auch der Stadtlandschaft zu und stellte in den Gemälden der neunziger Jahre die belebten Boulevards und Plätze in Paris, urbanes Leben dar. Pissaro entwickelte eine Sensibilität für die soziale Zeitproblematik, sympathisierte mit den anarchistischen Ideen Kropotkins und bezog Stellung gegen Herrschaft, Gewalt und Ausbeutung. Um 1870 fand er zu einer hellen Farbgebung, das Licht wurde zu dem eigentlichen Gegenstand seiner Malerei.

Zu den von ihm häufig aufgegriffenen Bildthemen gehörte die unpathetische Darstellung bäuerlichen Lebens, in der er auf jene idealisierende Überhöhung verzichtete, wie sie etwa Gemälde Millets charakterisieren. Das Gemälde Gemüsegarten in Pontoise mit Bäuerin schließt hier an. Es greift ein Motiv auf, das Pissaro mehrfach in den frühen achtziger Jahren dargestellt hat – Bäuerinnen in einem Gemüsegarten bei der Arbeit.

Doch nicht das Thematische steht in diesem Gemälde im Vordergrund. Die in einem Kohlfeld arbeitende Bäuerin ist vielmehr in eine bewusst und klar gegliederte Bildkomposition integriert. Pissaro tupfte die Farbe auf die Leinwand. Aus dem Neben- und Übereinander der Farbflecken entsteht eine vibrierende Atmosphäre, die die Konturen auflöst und den Formen ihre Festigkeit nimmt. Die strenge, konstruktive Ordnung des Gemäldes, die sich aus Vertikalen und Horizontalen, aus Rechtecken und Dreiecken bildet und perspektivische Gestaltungsmittel zurücknimmt, steht dieser Tendenz entgegen und gibt der Darstellung ein klares Gefüge. Das Dreieck des Kohlfeldes, in dem die Bäuerin arbeitet, korrespondiert mit der großen dreieckigen Form der Büsche und Bäume, die den Garten gegenüber den Häusern begrenzen, auch mit dem Dreieck des Himmels. Dem horizontalen Streifen des Gartens, der über die gesamte Breite des Bildes reicht, wird die Vertikale des Bäumchens entgegengesetzt. Aus diesen Elementen einer strengen Konstruktion entwickelt sich das harmonische Gleichgewicht der Bildkomposition.

Das Gemälde ist undatiert, dürfte aber Anfang der achtziger Jahre in Pontoise entstanden sein, wie das offenbar im gleichen Garten entstandene Gemälde Dans le Potager à Pontoise, paysant béchant von 1881 nahelegt. Das Gemälde des Saarlandmuseums entstand vor Pissaros Begegnung mit Signac und Seurat 1885, noch vor jener kurzen Zeit, in der Pissaro mit dem Pointillismus experimentierte, den er dann bald aufgab. Die Theorien Seurats kamen seinem eher poetischen Charakter wenig entgegen.

(Ernst-Gerhard Güse, in: Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, Saarland Museum Saarbrücken, 1999)

Das Gemälde gelangte 1982 mit Eingliederung der Sammlung Kohl-Weigand in den Bestand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz.

 

Begleitende Liedergeschichte

Im Märzen der Bauer

Das Volkslied „Im Märzen der Bauer“ stammt  ursprünglich aus Nordmähren. Der österreichische Ethnomusikologe und Herausgeber der Zeitschrift „Das deutsche Volkslied“ Josef Pommer (1845-1918) konstatierte zum Ursprung des Liedes, dass es „von der deutschen Landbevölkerung der mährischen Sudeten häufig und gern gesungen“ worden sei. Zum Liedtext existieren verschiedene Fassungen; die uns heute geläufige stammt von Walther Hensel (1887-1956). Der Mitbegründer der Jugendmusikbewegung bearbeitete das mährische Volkslied textlich und musikalisch. 1923 erschien diese Version erstmalig in seinem Liederbuch „Das aufrecht Fähnlein“.

 

Im Märzen der Bauer

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt.

Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.

Er pflüget den Boden, er egget und sät

und rührt seine Hände früh morgens und spät.

 

Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn,

sie haben im Haus und im Garten zu tun;

sie graben und rechen und singen ein Lied

und freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.

 

So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei,

dann erntet der Bauer das duftende Heu;

er mäht das Getreide, dann drischt er es aus:

im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.